04: Dollys Dackelgeschichten I

Dollys Dackelgeschichten1

Dollys Dackelgeschichten I

Kurzgeschichten von Eberhard Kamprad

  • Die neue Mama
  • Der erste Tag
  • Wie meine Menschen auf den Hund kamen
  • Der Spaßball
  • Die Zuchtschau

ISBN 978-3-942024-03-7

Dezember 2009

Leseprobe:

Die Zuchtschau

 Heute geht es um meine Erlebnisse auf der Zuchtschau der Dackelgruppe. Für meine Menschen bin ich natürlich sowieso der schönste Dackel, aber die anderen Vereinsmitglieder und die Züchterin überredeten sie, sich das amtlich bestätigen zu lassen: eben durch die Vorstellung auf der Zuchtschau. Mein Herrchen hatte sich vorher darüber informiert, was ich alles können sollte und mit mir „Im-Kreis-Laufen“ und „Maul auf!“ geübt. Das Maul muss ich auf Kommando aufmachen, weil der Richter die Zähne kontrollieren will. Wer den Richter beißt, wird disqualifiziert; so steht es in der Prüfungsordnung. Da mein Frauchen mir wöchentlich die Zähne putzt, war mir das Maul aufmachen sowieso nicht neu. Das Im-Kreis-Laufen bereitete mir auch keine Probleme; aber ich brauchte es gar nicht, wie wir später sehen werden.

 Als der Sonntag der Zuchtschau endlich herangekommen war, waren meine Menschen mindestens ebenso aufgeregt wie ich. Die Züchterin hatte ihnen angeboten, uns mit dem Auto abzuholen, um mir die Straßenbahnfahrt zu ersparen. Das war keine so gute Idee für meine Nerven. Im Auto saß nämlich auch meine Cousine, die ebenfalls vorgestellt werden sollte, und darüber regte ich mich wahnsinnig auf. Mein Herrchen konnte mich kaum halten, weil ich ständig auf die vor mir sitzende Züchterin klettern wollte.  Wir kamen an und mussten uns zuerst anmelden. 25 Dackel waren registriert. Ich war im Programm als die Nummer 8 genannt und war richtig stolz, dass ich dort mit all meinen Daten stand. Auch mein Herrchen freute sich, als er seinen Namen als Besitzer las.

 Am Eingang wies ein Schild nach rechts: Zum Löseplatz. Mein Herrchen führte mich hin und erklärte mir den Sinn des abgesteckten Bereiches. „Wuzzi und Pfützi machen!“ Dass die Menschen immer alles so kompliziert machen müssen. Warum sagt man nicht einfach „Hundeklo“? Ich schnupperte, schnupperte und schnupperte. Potz Blitz und Wackeldackel! Das war gar nicht der richtige Platz. Das merkte man doch auf den ersten Riecher. Aber hier, ein Stück neben der Absperrung, war es genau richtig. Ich hockte mich hin. „Haben Sie keine Augen im Kopf!“, brüllte ein Mann mit einer Armbinde mein Herrchen an. „Der Löseplatz ist innerhalb der Absperrung!“ „Wau! Wuff!“, versuchte ich dem Mann die Situation zu erklären. Doch er verstand mich nicht. Meinem Herrchen kam eine Idee. Mit einem eleganten Beinschwung beförderte er meinen Hinterlassenschaften in den abgesteckten Bereich. Nun war die Menschenwelt wieder in Ordnung…