24: Baden verboten

Baden verboten

Krimi-Kurzgeschichten von Elisabeth Podgornik

Baden verboten
Die Sirene
Name und Wohnort geändert

ISBN 978-3-942024-25-9
Juli 2013

Leseprobe:

Baden verboten!

„In deiner Badewanne liegt eine Leiche, Tante Martha!“
Martha warf einen irritierten Blick auf ihren Neffen, legte das Obstmesser beiseite und verließ ohne ein Wortdie Küche. Verblüfft starrte Florian ihr hinterher. Ehe er sich jedoch entschieden hatte, wie nun vorzugehen war, tauchte seine Tante wieder auf. „In meinem Badezimmer liegt keine Leiche! Wie kannst du so etwas behaupten! Du bist doch keine zehn Jahre alt!“
„Ich spreche von der Zinkwanne im Garten! Dein Bad habe ich seit Monaten nicht mehr betreten.“
„Das stimmt nicht. Du hast die Glühbirne ersetzt!“
„In Ordnung.“
„Und dir nach der Reparatur meiner Schuppentür die Hände gewaschen.“
„Vergiss die Schuppentür, Tante Martha! In deiner antiquarischen Zinkwanne neben den Rosenbeeten liegt eine Leiche!“
„In meiner Regenwasserwanne?“
„So ist es! Wir müssen …“ Doch die alte Dame unterbrach ihn: „Nun, das ist ja allerhand. Eine Leiche in meinem Regenwasser! Womit soll ich jetzt die Blumen gießen?“
„Wir müssen die Polizei rufen“, versuchte Florian sie auf das Wesentliche aufmerksam zu machen.
Martha nickte grimmig. „Eine bodenlose Frechheit, in meiner Wanne zu sterben! Was denken sich die Leute überhaupt?“
„Der Mann hat sich dieses friedliche Plätzchen sicher nicht ausgesucht, um auf natürliche Weise aus dem Leben zu scheiden. Die Sache sieht mir sehr nach Fremdverschulden aus.“
Martha schrie auf. „Du willst damit sagen, jemand hat einen Menschen ermordet und ihn dann in meinem Regenwasser deponiert, anstatt ihn, wie es sich gehört, zu verbuddeln, in den Fluss zu werfen oder in Säure aufzulösen?“
„In Säure aufzulösen?“, wiederholte Florian irritiert.
„Die Leute haben einfach keinen Anstand mehr“, knurrte Martha. Florian, der annahm, diese Bemerkung beziehe sich auf den Tötungsakt, nickte vorsichtig. „Schlimm genug, Fremde mit ihren Leichen zu belästigen. Wenn sie diese Impertinenz aber schon für unumgänglich halten, könnten sie die sterblichen Überreste wenigstens auf dem Gehweg ablagern oder meinetwegen hinter dem Komposthaufen, anstatt das kalkfreie Wasser völlig zu ruinieren. Ein Minimum an Manieren darf man doch wohl verlangen!“
„Vielleicht solltest du der Polizei deine Sorge um das Gießwasser verschweigen. Sie könnte sonst annehmen, es sei dir wichtiger als der Tote auf deinem Grundstück.“
Martha schnaufte nur und drückte ihrem Neffen das Telefon in die Hand. …